{"id":30350,"date":"2016-06-01T17:28:37","date_gmt":"2016-06-01T15:28:37","guid":{"rendered":"https:\/\/oneearth-oneocean.com\/2016\/06\/01\/kehrwochen-im-ozean\/"},"modified":"2016-06-01T17:28:37","modified_gmt":"2016-06-01T15:28:37","slug":"kehrwochen-im-ozean","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oneearth-oneocean.com\/en\/presseberichte-en\/2016\/kehrwochen-im-ozean\/","title":{"rendered":"Kehrwochen im Ozean"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1989\" src=\"http:\/\/staging.oneearth-oneocean.com\/wp-content\/uploads\/Spektrum_der_Wissenschaft_Logo.svg_-300x88.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"88\" \/><\/p>\n<p>In den Weltmeeren treiben riesige Mengen Plastikabfall. Verschiedene Techniken sollen diesen schwimmenden M\u00fcll bald wieder einsammeln.<\/p>\n<p>von Roland Knauer,\u00a0Spektrum.de, 31.05.2016<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spektrum.de\/news\/wie-bekommen-wir-den-plastikmuell-aus-dem-meer\/1411880#autorinfo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier den ganzen Artikel lesen<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Noch mehr technische Ans\u00e4tze<\/h3>\n<p>Hier wollen G\u00fcnther Bonin und die von ihm gegr\u00fcndete Organisation\u00a0<a href=\"http:\/\/www.oneearth-oneocean.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">One Earth\u00a0\u2013\u00a0One Ocean<\/a>\u00a0ihre Netze f\u00fcr Plastikm\u00fcll ausbringen. \u00c4hnlich wie Boyan Slat ist auch G\u00fcnther Bonin kein Profi in Sachen Meereswissenschaften oder Plastikm\u00fcll, als er im Jahr\u00a02009 vor der nordamerikanischen Pazifikk\u00fcste durch ein Meer an Kunststoffen segelt. &#8220;Als ich nach der Reise herausfand, dass sich niemand um die M\u00fcllabfuhr in den Ozeanen k\u00fcmmert, hat es bei mir &#8216;klick!&#8217; gemacht&#8221;, erinnert sich der Inhaber einer Informationstechnologiefirma. Danach t\u00fcftelte er M\u00f6glichkeiten aus, den Plastikabfall aus dem Wasser zu fischen, und gr\u00fcndete 2011 One Earth\u00a0\u2013\u00a0One Ocean. Anders als Slats Gro\u00dfprojekt setzt er zu Beginn auf kleinere Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Die kleinste Einheit nennt Bonin &#8220;Seehamster&#8221;. Ein Prototyp hat bereits 2012 Plastik aus Binnengew\u00e4ssern und Binnenmeeren wie der Ostsee geholt. Das Ganze ist ein kleiner Katamaran mit zwei jeweils vier\u00a0Meter langen Schiffsr\u00fcmpfen, die nicht viel mehr als schwimmende Zylinder sind. Dazwischen h\u00e4ngt ein Rahmen mit einem Netz, dessen Maschen ein Zentimeter gro\u00df sind. Seehamster dieser Bauweise fahren mit kleinen Elektromotoren, k\u00f6nnen aber auch von Booten geschleppt werden. Sie k\u00f6nnen ebenso an einer Flussm\u00fcndung verankert werden und dort den vorbeischwimmenden Plastikm\u00fcll aufsammeln. 2015 war bereits die dritte Generation des Seehamsters unterwegs.<\/p>\n<p>Eine Nummer gr\u00f6\u00dfer ist die &#8220;Seekuh&#8221;, die momentan gebaut wird. &#8220;2017 und 2018 soll dieses Arbeitsboot auf Tournee gehen und in verschiedenen Gew\u00e4ssern erprobt werden&#8221;, erkl\u00e4rt Bonin. Genau wie der Seehamster ist auch die Seekuh ein Katamaran. Allerdings sind die beiden R\u00fcmpfe zw\u00f6lf\u00a0Meter lang und liegen zehn\u00a0Meter auseinander. Im Zwischenraum werden zwei Netze mit 2,5\u00a0Zentimetern Maschenweite gespannt, die drei oder vier\u00a0Meter tief ins Wasser tauchen. Die Seekuh hat zwei Antriebe, die im Prototyp konventionell sein werden, sp\u00e4ter aber durchaus Sonnen- und auch Windenergie nutzen k\u00f6nnten. Damit beschleunigt das Arbeitsboot auf zwei Knoten und erreicht so das Tempo eines Fu\u00dfg\u00e4ngers. Diese niedrige Geschwindigkeit spart nicht nur Energie, sondern gibt den gr\u00f6\u00dferen Lebewesen im Wasser die Chance auszuweichen, w\u00e4hrend kleinere Organismen durch die Maschen der Netze passen.<\/p>\n<p>Auf dem Deck steht ein H\u00e4uschen, in dem ein Wissenschaftler mit einem Infrarotspektrometer den M\u00fcll unter die Lupe nimmt und so ermitteln kann, welchen Kunststofftyp die Seekuh aus dem Wasser fischt. Bew\u00e4hrt sich das Konzept, k\u00f6nnte die Besatzung wegfallen, und nicht nur eine einzige, sondern gleich ganz viele Seek\u00fche k\u00f6nnten automatisch an der K\u00fcste navigieren und dabei M\u00fcll aufsammeln. Dabei denkt G\u00fcnther Bonin zum Beispiel an die Bucht von Rio de Janeiro, aus der jeden Tag rund 150\u00a0Tonnen Kunststoff in Richtung offener Atlantik treiben. Da sie auf einer Fahrt nur zwei oder allenfalls drei\u00a0Tonnen Plastik aus dem Wasser fischen kann, braucht man f\u00fcr einen sp\u00fcrbaren Effekt jedoch einige dieser Arbeitsboote.<\/p>\n<p>Ist ein Netz voll, h\u00e4ngt die Seekuh Bojen daran, \u00fcbermittelt die Position an eine Zentrale und l\u00e4sst das Ganze dann im Meer treiben. Dorthin f\u00e4hrt ein weiterer Katamaran, den Bonin aus gutem Grund &#8220;Seefarmer&#8221; nennt: &#8220;Er bringt die Ernte ein und f\u00e4hrt sie in die Scheune&#8221;, erl\u00e4utert er. Diese &#8220;Scheune&#8221; steht nicht an Land, sondern schwimmt auf dem Wasser und hei\u00dft &#8220;Seeelefant&#8221;\u00a0\u2013 ein Tanker mit der f\u00fcr solche Schiffe heutzutage \u00fcblichen doppelten Schiffswand. An Bord wird der eingesammelte Plastikm\u00fcll sortiert und anschlie\u00dfend auf mehrere hundert Grad\u00a0Celsius erhitzt. Die Masse verfl\u00fcssigt sich und kann so in schwefelfreies Heiz\u00f6l umgewandelt werden, das an Bord in Tanks gelagert wird. 20 bis 30\u00a0Prozent des so gewonnenen Treibstoffs verbrennt der Seeelefant f\u00fcr seinen eigenen Betrieb. Den Rest verkauft er an Schiffe, die seine Route kreuzen, und finanziert mit dem Erl\u00f6s einen Teil seiner Kosten. \u00dcbrig bleibt bei diesem Prozess allerdings auch Kokskohle, die sp\u00e4ter an Land entsorgt werden\u00a0muss.<\/p>\n<p>Inzwischen hat G\u00fcnther Bonin ausgerechnet, dass zwei Angestellte an einem Tag mit den Seefarmern 200\u00a0Tonnen Plastikm\u00fcll einsammeln und zum Seeelefanten bringen k\u00f6nnen. Da er nach eigenen Angaben bereits heute eine Tonne Plastikm\u00fcll f\u00fcr 100\u00a0Euro verkaufen kann, k\u00f6nnte sich diese Sammelaktion langfristig sogar lohnen. Martin Thiel setzt dennoch weiterhin darauf, das Einsammeln auf lange Sicht \u00fcberfl\u00fcssig zu machen: &#8220;Wir m\u00fcssen einfach die Quellen verstopfen und verhindern, dass Kunststoffe unkontrolliert in die Umwelt und damit letztendlich ins Meer gelangen&#8221;, meint der deutsche Meeresbiologe. Das w\u00e4re vor allem deutlich billiger. Selbst dazu hat Bonin bereits eine Idee: &#8220;Wir k\u00f6nnten nat\u00fcrlich den Menschen in S\u00fcdostasien einen kleinen Betrag f\u00fcr jedes Kilogramm Plastikabfall bezahlen, das sie uns geben und das so nicht in die Umwelt gelangt&#8221;, \u00fcberlegt er. Das w\u00e4re noch billiger und effektiver als jede Sammelaktion auf dem\u00a0Meer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Weltmeeren treiben riesige Mengen Plastikabfall. Verschiedene Techniken sollen diesen schwimmenden M\u00fcll bald wieder einsammeln. von Roland Knauer,\u00a0Spektrum.de, 31.05.2016 Hier den ganzen Artikel lesen Noch mehr technische Ans\u00e4tze Hier wollen G\u00fcnther Bonin und die von ihm gegr\u00fcndete Organisation\u00a0One Earth\u00a0\u2013\u00a0One Ocean\u00a0ihre Netze f\u00fcr Plastikm\u00fcll ausbringen. \u00c4hnlich wie Boyan Slat ist auch G\u00fcnther Bonin kein Profi in Sachen Meereswissenschaften oder Plastikm\u00fcll, als er im Jahr\u00a02009 vor der nordamerikanischen Pazifikk\u00fcste durch ein Meer an Kunststoffen segelt. &#8220;Als ich nach der Reise herausfand, dass sich niemand um die M\u00fcllabfuhr in den Ozeanen k\u00fcmmert, hat es bei mir &#8216;klick!&#8217; gemacht&#8221;, erinnert sich der Inhaber einer Informationstechnologiefirma. Danach t\u00fcftelte er M\u00f6glichkeiten aus, den Plastikabfall aus dem Wasser zu fischen, und gr\u00fcndete 2011 One Earth\u00a0\u2013\u00a0One Ocean. 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Auf dem Deck steht ein H\u00e4uschen, in dem ein Wissenschaftler mit einem Infrarotspektrometer den M\u00fcll unter die Lupe nimmt und so ermitteln kann, welchen Kunststofftyp die Seekuh aus dem Wasser fischt. Bew\u00e4hrt sich das Konzept, k\u00f6nnte die Besatzung wegfallen, und nicht nur eine einzige, sondern gleich ganz viele Seek\u00fche k\u00f6nnten automatisch an der K\u00fcste navigieren und dabei M\u00fcll aufsammeln. Dabei denkt G\u00fcnther Bonin zum Beispiel an die Bucht von Rio de Janeiro, aus der jeden Tag rund 150\u00a0Tonnen Kunststoff in Richtung offener Atlantik treiben. Da sie auf einer Fahrt nur zwei oder allenfalls drei\u00a0Tonnen Plastik aus dem Wasser fischen kann, braucht man f\u00fcr einen sp\u00fcrbaren Effekt jedoch einige dieser Arbeitsboote. Ist ein Netz voll, h\u00e4ngt die Seekuh Bojen daran, \u00fcbermittelt die Position an eine Zentrale und l\u00e4sst das Ganze dann im Meer treiben. 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Den Rest verkauft er an Schiffe, die seine Route kreuzen, und finanziert mit dem Erl\u00f6s einen Teil seiner Kosten. \u00dcbrig bleibt bei diesem Prozess allerdings auch Kokskohle, die sp\u00e4ter an Land entsorgt werden\u00a0muss. Inzwischen hat G\u00fcnther Bonin ausgerechnet, dass zwei Angestellte an einem Tag mit den Seefarmern 200\u00a0Tonnen Plastikm\u00fcll einsammeln und zum Seeelefanten bringen k\u00f6nnen. Da er nach eigenen Angaben bereits heute eine Tonne Plastikm\u00fcll f\u00fcr 100\u00a0Euro verkaufen kann, k\u00f6nnte sich diese Sammelaktion langfristig sogar lohnen. Martin Thiel setzt dennoch weiterhin darauf, das Einsammeln auf lange Sicht \u00fcberfl\u00fcssig zu machen: &#8220;Wir m\u00fcssen einfach die Quellen verstopfen und verhindern, dass Kunststoffe unkontrolliert in die Umwelt und damit letztendlich ins Meer gelangen&#8221;, meint der deutsche Meeresbiologe. Das w\u00e4re vor allem deutlich billiger. Selbst dazu hat Bonin bereits eine Idee: &#8220;Wir k\u00f6nnten nat\u00fcrlich den Menschen in S\u00fcdostasien einen kleinen Betrag f\u00fcr jedes Kilogramm Plastikabfall bezahlen, das sie uns geben und das so nicht in die Umwelt gelangt&#8221;, \u00fcberlegt er. Das w\u00e4re noch billiger und effektiver als jede Sammelaktion auf dem\u00a0Meer.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2184],"tags":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v24.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Kehrwochen im Ozean - One Earth - One Ocean e. 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Auf dem Deck steht ein H\u00e4uschen, in dem ein Wissenschaftler mit einem Infrarotspektrometer den M\u00fcll unter die Lupe nimmt und so ermitteln kann, welchen Kunststofftyp die Seekuh aus dem Wasser fischt. Bew\u00e4hrt sich das Konzept, k\u00f6nnte die Besatzung wegfallen, und nicht nur eine einzige, sondern gleich ganz viele Seek\u00fche k\u00f6nnten automatisch an der K\u00fcste navigieren und dabei M\u00fcll aufsammeln. Dabei denkt G\u00fcnther Bonin zum Beispiel an die Bucht von Rio de Janeiro, aus der jeden Tag rund 150\u00a0Tonnen Kunststoff in Richtung offener Atlantik treiben. Da sie auf einer Fahrt nur zwei oder allenfalls drei\u00a0Tonnen Plastik aus dem Wasser fischen kann, braucht man f\u00fcr einen sp\u00fcrbaren Effekt jedoch einige dieser Arbeitsboote. Ist ein Netz voll, h\u00e4ngt die Seekuh Bojen daran, \u00fcbermittelt die Position an eine Zentrale und l\u00e4sst das Ganze dann im Meer treiben. Dorthin f\u00e4hrt ein weiterer Katamaran, den Bonin aus gutem Grund &#8220;Seefarmer&#8221; nennt: &#8220;Er bringt die Ernte ein und f\u00e4hrt sie in die Scheune&#8221;, erl\u00e4utert er. Diese &#8220;Scheune&#8221; steht nicht an Land, sondern schwimmt auf dem Wasser und hei\u00dft &#8220;Seeelefant&#8221;\u00a0\u2013 ein Tanker mit der f\u00fcr solche Schiffe heutzutage \u00fcblichen doppelten Schiffswand. An Bord wird der eingesammelte Plastikm\u00fcll sortiert und anschlie\u00dfend auf mehrere hundert Grad\u00a0Celsius erhitzt. Die Masse verfl\u00fcssigt sich und kann so in schwefelfreies Heiz\u00f6l umgewandelt werden, das an Bord in Tanks gelagert wird. 20 bis 30\u00a0Prozent des so gewonnenen Treibstoffs verbrennt der Seeelefant f\u00fcr seinen eigenen Betrieb. 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Verschiedene Techniken sollen diesen schwimmenden M\u00fcll bald wieder einsammeln. von Roland Knauer,\u00a0Spektrum.de, 31.05.2016 Hier den ganzen Artikel lesen Noch mehr technische Ans\u00e4tze Hier wollen G\u00fcnther Bonin und die von ihm gegr\u00fcndete Organisation\u00a0One Earth\u00a0\u2013\u00a0One Ocean\u00a0ihre Netze f\u00fcr Plastikm\u00fcll ausbringen. \u00c4hnlich wie Boyan Slat ist auch G\u00fcnther Bonin kein Profi in Sachen Meereswissenschaften oder Plastikm\u00fcll, als er im Jahr\u00a02009 vor der nordamerikanischen Pazifikk\u00fcste durch ein Meer an Kunststoffen segelt. &#8220;Als ich nach der Reise herausfand, dass sich niemand um die M\u00fcllabfuhr in den Ozeanen k\u00fcmmert, hat es bei mir &#8216;klick!&#8217; gemacht&#8221;, erinnert sich der Inhaber einer Informationstechnologiefirma. Danach t\u00fcftelte er M\u00f6glichkeiten aus, den Plastikabfall aus dem Wasser zu fischen, und gr\u00fcndete 2011 One Earth\u00a0\u2013\u00a0One Ocean. Anders als Slats Gro\u00dfprojekt setzt er zu Beginn auf kleinere Ma\u00dfnahmen. Die kleinste Einheit nennt Bonin &#8220;Seehamster&#8221;. Ein Prototyp hat bereits 2012 Plastik aus Binnengew\u00e4ssern und Binnenmeeren wie der Ostsee geholt. Das Ganze ist ein kleiner Katamaran mit zwei jeweils vier\u00a0Meter langen Schiffsr\u00fcmpfen, die nicht viel mehr als schwimmende Zylinder sind. Dazwischen h\u00e4ngt ein Rahmen mit einem Netz, dessen Maschen ein Zentimeter gro\u00df sind. Seehamster dieser Bauweise fahren mit kleinen Elektromotoren, k\u00f6nnen aber auch von Booten geschleppt werden. Sie k\u00f6nnen ebenso an einer Flussm\u00fcndung verankert werden und dort den vorbeischwimmenden Plastikm\u00fcll aufsammeln. 2015 war bereits die dritte Generation des Seehamsters unterwegs. Eine Nummer gr\u00f6\u00dfer ist die &#8220;Seekuh&#8221;, die momentan gebaut wird. &#8220;2017 und 2018 soll dieses Arbeitsboot auf Tournee gehen und in verschiedenen Gew\u00e4ssern erprobt werden&#8221;, erkl\u00e4rt Bonin. Genau wie der Seehamster ist auch die Seekuh ein Katamaran. Allerdings sind die beiden R\u00fcmpfe zw\u00f6lf\u00a0Meter lang und liegen zehn\u00a0Meter auseinander. Im Zwischenraum werden zwei Netze mit 2,5\u00a0Zentimetern Maschenweite gespannt, die drei oder vier\u00a0Meter tief ins Wasser tauchen. Die Seekuh hat zwei Antriebe, die im Prototyp konventionell sein werden, sp\u00e4ter aber durchaus Sonnen- und auch Windenergie nutzen k\u00f6nnten. Damit beschleunigt das Arbeitsboot auf zwei Knoten und erreicht so das Tempo eines Fu\u00dfg\u00e4ngers. Diese niedrige Geschwindigkeit spart nicht nur Energie, sondern gibt den gr\u00f6\u00dferen Lebewesen im Wasser die Chance auszuweichen, w\u00e4hrend kleinere Organismen durch die Maschen der Netze passen. Auf dem Deck steht ein H\u00e4uschen, in dem ein Wissenschaftler mit einem Infrarotspektrometer den M\u00fcll unter die Lupe nimmt und so ermitteln kann, welchen Kunststofftyp die Seekuh aus dem Wasser fischt. Bew\u00e4hrt sich das Konzept, k\u00f6nnte die Besatzung wegfallen, und nicht nur eine einzige, sondern gleich ganz viele Seek\u00fche k\u00f6nnten automatisch an der K\u00fcste navigieren und dabei M\u00fcll aufsammeln. Dabei denkt G\u00fcnther Bonin zum Beispiel an die Bucht von Rio de Janeiro, aus der jeden Tag rund 150\u00a0Tonnen Kunststoff in Richtung offener Atlantik treiben. Da sie auf einer Fahrt nur zwei oder allenfalls drei\u00a0Tonnen Plastik aus dem Wasser fischen kann, braucht man f\u00fcr einen sp\u00fcrbaren Effekt jedoch einige dieser Arbeitsboote. Ist ein Netz voll, h\u00e4ngt die Seekuh Bojen daran, \u00fcbermittelt die Position an eine Zentrale und l\u00e4sst das Ganze dann im Meer treiben. Dorthin f\u00e4hrt ein weiterer Katamaran, den Bonin aus gutem Grund &#8220;Seefarmer&#8221; nennt: &#8220;Er bringt die Ernte ein und f\u00e4hrt sie in die Scheune&#8221;, erl\u00e4utert er. Diese &#8220;Scheune&#8221; steht nicht an Land, sondern schwimmt auf dem Wasser und hei\u00dft &#8220;Seeelefant&#8221;\u00a0\u2013 ein Tanker mit der f\u00fcr solche Schiffe heutzutage \u00fcblichen doppelten Schiffswand. An Bord wird der eingesammelte Plastikm\u00fcll sortiert und anschlie\u00dfend auf mehrere hundert Grad\u00a0Celsius erhitzt. Die Masse verfl\u00fcssigt sich und kann so in schwefelfreies Heiz\u00f6l umgewandelt werden, das an Bord in Tanks gelagert wird. 20 bis 30\u00a0Prozent des so gewonnenen Treibstoffs verbrennt der Seeelefant f\u00fcr seinen eigenen Betrieb. Den Rest verkauft er an Schiffe, die seine Route kreuzen, und finanziert mit dem Erl\u00f6s einen Teil seiner Kosten. \u00dcbrig bleibt bei diesem Prozess allerdings auch Kokskohle, die sp\u00e4ter an Land entsorgt werden\u00a0muss. Inzwischen hat G\u00fcnther Bonin ausgerechnet, dass zwei Angestellte an einem Tag mit den Seefarmern 200\u00a0Tonnen Plastikm\u00fcll einsammeln und zum Seeelefanten bringen k\u00f6nnen. Da er nach eigenen Angaben bereits heute eine Tonne Plastikm\u00fcll f\u00fcr 100\u00a0Euro verkaufen kann, k\u00f6nnte sich diese Sammelaktion langfristig sogar lohnen. Martin Thiel setzt dennoch weiterhin darauf, das Einsammeln auf lange Sicht \u00fcberfl\u00fcssig zu machen: &#8220;Wir m\u00fcssen einfach die Quellen verstopfen und verhindern, dass Kunststoffe unkontrolliert in die Umwelt und damit letztendlich ins Meer gelangen&#8221;, meint der deutsche Meeresbiologe. Das w\u00e4re vor allem deutlich billiger. Selbst dazu hat Bonin bereits eine Idee: &#8220;Wir k\u00f6nnten nat\u00fcrlich den Menschen in S\u00fcdostasien einen kleinen Betrag f\u00fcr jedes Kilogramm Plastikabfall bezahlen, das sie uns geben und das so nicht in die Umwelt gelangt&#8221;, \u00fcberlegt er. Das w\u00e4re noch billiger und effektiver als jede Sammelaktion auf dem\u00a0Meer.","og_url":"https:\/\/oneearth-oneocean.com\/en\/presseberichte-en\/2016\/kehrwochen-im-ozean\/","og_site_name":"One Earth - One Ocean e. 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