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Der Kieler Mikrobiologe Rüdiger Stöhr reinigt Gewässer im Auftrag des Vereins „One Earth – One Ocean“

von Carola Jeschke, Kieler Neueste Nachrichten, 08.03.2016


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KIEL. Als Günther Bonin 2011 den Verein „One Earth – One Ocean“ (OEOO) gründete, um die Weltmeere nachhaltig vom Plastikmüll zu befreien, erntete er nicht selten ein mildes Lächeln. Da stand der Unternehmer aus Garching bei München auf seinem kleinen, selbst entworfenen Reinigungsschiff „Seehamster“ und demonstrierte unermüdlich auf jedem Tümpel zwischen Flensburg und München, wie eine maritime Müllabfuhr funktionieren könnte. Fünf Jahre später spottet niemand mehr, denn Bonins Hartnäckigkeit fängt an, Früchte zu tragen – nicht nur in Deutschland. Der mit dem Kieler Ingenieur Dirk Lindenau entwickelte Katamaran „Seekuh“ wird derzeit auf der Lübecker Werft „Yacht Trave Schiff GmbH“ gebaut. Und der Verein hat endlich genug Geld, um zwei fest angestellte Experten zu beschäftigen – darunter der Kieler Mikrobiologe Rüdiger Stöhr. Rüdiger Stöhr hat seinen Kollegen Emmanuel Duru mitgebracht. Der Mikrobiologe aus Kiel und der Chemieingenieur aus Nigeria sind derzeit in einer schwierigen, aber erfolgversprechenden Mission unterwegs: Nach zähem Ringen und Verhandlungen mit der nigerianischen Regierung haben sie endlich die Genehmigung, das ölverseuchte Nigerdelta mit einem neuen Verfahren zu reinigen.

Der Verein hat bewiesen, dass er einen langen Atem hat

Ein Prestigeprojekt für den Verein, der bisher auf Plastikmüll spezialisiert war, aber beweisen möchte, dass er das Zeug zum „Greenpeace der Gewässer“ hat, wie Günther Bonin es ausdrückt. Dass sein Verein einen langen Atem hat, hat er längst bewiesen. Den hat auch Rüdiger Stöhr. Der Wissenschaftler ist der erste fest angestellte Mitarbeiter bei OEOO und weiß aus Erfahrung, dass wichtige Projekte ihre Zeit brauchen. Zwölf Jahre forschte der 51- Jährige am IFM Geomar in Kiel zum Thema Schwämme und marine Bakterien. Dann lief sein Vertrag aus. Stöhr sattelte um: Er machte ein Referendariat an der Elly-HeussKnapp-Schule in Neumünster und wurde Lehrer für Biologie und Geotechnologie. „Durch die Betreuung von Schülern bei ,Jugend forscht’ habe ich mich zum ersten Mal mit Plastikmüll und Bakterien auseinandergesetzt.“ Ein wichtiges Thema, das den Kieler nicht mehr losließ. Als er Günther Bonin und seinen Verein kennenlernte, zeichnete sich schnell die Möglichkeit einer Zusammenarbeit ab. Neben seinem Lehrerberuf begann Stöhr, ehrenamtlich Wasserproben auszuwerten, die die Schiffe der Hamburger Reederei OPDR von ihren Routen zwischen Nordeuropa und Afrika mitbringen. Mit dem vereinseigenen InfrarotSpektrometer, einer Spende der Röchling-Stiftung, analysiert Stöhr die Proben. „Mit dem Spektrometer kann man alle Plastikarten im Wasser bestimmen“, erklärt Stöhr.

Analysen für eine „Datenbank der Verschmutzung“

Ziel ist es, eine „weltweite Datenbank der Verschmutzung“ aufzubauen, um noch gezielter gegen den Plastikmüll im Meer vorgehen zu können. Mehr noch: OEOO will Lösungen entwickeln, um den aus dem Meer gefischten Plastikmüll umzuwandeln, zum Beispiel in Energie. „Es ist total spannend, bei solchen Prozessen dabei zu sein“, sagt Rüdiger Stöhr. Seit Oktober 2015 ist er fester Mitarbeiter des Vereins, ebenso wie der Chemieingenieur Emmanuel Duru (35). Der in München lebende Nigerianer ist über ein Praktikum zu OEOO gekommen. Er weiß um die großen Probleme seines Heimatlandes, wo das „katastrophale Verhalten“ der Ölgesellschaften Böden und Wasser verschmutzt und der Bevölkerung die Lebensgrundlagen entzieht. „Es ist ein gutes Gefühl für mich, mit dem Verein etwas vor Ort tun zu können.“

„Plastikmüll in Energie umwandeln – es ist total spannend, bei solchen Prozessen dabei zu sein.“ Rüdiger Stöhr, Mikrobiologe

Mit einer speziellen Wachswatte, die große Mengen an Öl aufnehmen kann und wiederverwertbar ist, will der Verein jetzt Bereiche des Nigerdeltas reinigen. Anerkannt durch die nigerianische Regierung und unterstützt von der Organisation des nigerianischen Umweltaktivisten Nnimmo Bassey, will Günther Bonin nicht nur Gewässer retten, sondern auch nachhaltige Strukturen vor Ort schaffen. „Mit der Reinigung der Umwelt kann man über Jahre Arbeitsplätze und Frieden schaffen“, ist Bonin überzeugt. Die Lebensgrundlage der Menschen werde endlich wiederhergestellt. Für das Projekt sucht der Verein nun auch Paten und Spender. Bonin betont: „Wir wollen nicht gewinnbringend, aber zumindest kostendeckend arbeiten.“



Die maritime Müllabfuhr kommt

14. März 2016